Johnny Orpheo

Die sehr verdienstvolle Website Litradio hat mein schon deutlich albernes Hörspiel „Johnny Orpheo“ (zusammen mit Kay-Ove Steinke und Alexandra „kleiner Hai“ Müller) aus dem (mutmaßlichen) Jahr 2006 noch einmal ins Internet gehoben. Viel Vergnügen!

texttourismus 2

Der zweite Band der Benefiz-Anthologie texttourismus zum Thema „erste Schritte“ ist erschienen. Unter den Texten der 40 Autoren (darunter Roger Willemsen, Frank Goosen, Alexa Hennig von Lange, Markus Kavka, Jörg Thadeusz, Axel Hacke, Selim Özdogan, Eva Briegel, Franz Dinda, Jess Jochimsen, Judith Liere, Max Scharnigg, Tino Hanekamp, Mischa-Sarim Vérollet, Elisabeth Rank, Martin »Gotti« Gottschild, Sven van Thom, Benjamin Quabeck, Oliver Uschmann, Dana Bönisch u.a.) ist auch ein kleines Gedicht von L.W.

Noch einmal vielen Dank an die Herausgeber für die großartige Arbeit!

Die hirnhungrige Hörnchen marschieren:

Unsere Literaturzeitschrift EXOT #12 „Hirnhungrige Hörnchen“ (das Cover schuf diesmal der sehr talentierte Leo Riegel) ist erschienen!

Zu den Exotinnen und Exoten dieser Ausgabe gehören die Autoren Eugen Egner, Dietmar Dath, Micha Ebeling, Kirsten Fuchs, Thomas Ligotti, Luise Boege, Ella Carina Werner, Nadja Schlüter, Dan Richter, Lars Weisbrod, Joël László, Ferdinand Scholz, Johanna Maxl, Madame Modeste, Gabriele Busse, Christian Bartel, Daniel Ableev, Andreas Schumacher, Daniel Wüllner, André Schinkel, Johannes Witek, Olaf Guercke, Christian Kreis, Alexander Nitzberg sowie die Herausgeber Anselm Neft, Francis Kirps und moi sowie die Illustratoren, Cartoonisten und Comiczeichner Leonard Riegel, Till Laßmann, Peter Klint, Robin Vehrs, Fräulein Rosi, Michael Zander, Florian France, Fabia Zobel, Marijpol, Anna Sette, Lapinot, Denis Metz und abermals Eugen Egner.

Das aktuelle Inhaltsverzeichnis findet ihr hier. Natürlich kann die #12 auch bestellt werden.

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Außerdem findet am Sonntag, 8. Januar 2012, 20:00 Uhr, im Kölner Klüngelpütz (Gertrudenstraße 24) die große EXOT-#12-Party „HAUS DER HIRNHUNGRIGEN HÖRNCHEN“ (hier bei Facebook) statt. Vor dem Bühneneingang warten bislang: Die EXOT-Autoren bzw. -Herausgeber Katinka Buddenkotte, Anselm Neft, Francis Kirps, Lino Wirag, Lars Weisbrod, Olaf Guercke, Ella Carina Werner, Dagmar Schönleber und Wolfgang Lüchtrath.

Wir freuen uns auf euer Kommen!

Weihnachts-DVDs

Wo ich gerade dabei bin, den Wochenstart zu vertrödeln, möchte ich die Gelegenheit nutzen, auf drei hinreißende Serien hinzuweisen, die a) teilweise schon einige Jahre hinter sich haben und daher b) schon bekannt sein könnten; c) aber nichtsdestotrotz auch jetzt noch sehr passable Weihnachtsgeschenke abgeben, wenn man in den nächsten Tagen bestellt: Wer also noch nach dem exzentrischen Etwas sucht, möge mir bitte vertrauen.

Nie einen deutschen Abnehmer fand Peep Show, eine britische Comedyserie mit und von David Mitchell und Robert Webb, die in Großbritannien seit 2003 sehr erfolgreich zu sehen ist. Die Grundkonstellation: Die Freunde Mark (Mitchell) und Jeremy (Webb) leben in einer WG im Londoner Stadtteil Croydon. Mark ist im Finanzgeschäft und scheitert regelmäßig daran, seine Arbeitskollegin Sophie zu umwerben, Jeremy hingegen träumt von einer Musikkarriere, bearbeitet seine Instrumente aber wie ein Achtjähriger: Frauen hat er immerhin, aber nie sehr lange. Bemerkenswert: Die Serie spielt ausgiebig mit der Ich-Perspektive der beiden Protagonisten (daher der Titel der Sendung), deren innere Monologen zu hören sind. Weihnachtshalber empfehle ich entweder die erste DVD zum Einstieg (gebraucht inkl. Versand nach Deutschland ca. 3,50 €) oder gleich alle sieben bisher erschienenen Staffeln (ca. 30,- €).

The League of Gentlemen hingegen sind vier britische Comedians (obwohl der Ausdruck hier nicht haften will), die für die gleichnamige, meisterliche Dark Sitcom (1999-2002) verantwortlich sind, die auch ausgiebig mit Horror-Versatzstücken arbeitet.
Handlungsort ist die fiktive Kleinstadt Royston Vasey irgendwo in Nordengland, die ein Dutzend bizarrer Einwohner beherbergt, die von den vier Darstellern mithilfe vielfacher Masken und Verkleidungen verkörpert werden. Keine Angst: mit Sketchup ist das Ganze glücklicherweise nur entfernt verwandt; eher lassen Ionesco, Artaud und Dürrenmatt grüßen. Die erste Staffel gibt es gebraucht inkl. Versand ins Land schon für 3,- €; für alle drei Staffeln samt Weihnachts-Special sollte man etwa 16,- € berechnen.
Ein Teil der Gentlemen-Crew ist übrigens auch für surreale Darkcom Psychoville (2009-11) verantwortlich, für deren Erwerb ich ebenfalls nur werben kann.

Früher schon an später denken:

Weihnachten rückt näher schon: Wer einen ähnlich seltsamen Geschmack hat wie ich, der wird vielleicht folgende Empfehlungen gutheißen.

An Belletristik (ekelhaftes Wort) lege ich meine Hand ins Feuer für Judith Schalanskys „Hals der Giraffe„, der den Buchpreis verdient hätte, Lewitscharoffs „Blumenberg“ und Matthiasens „Ale Trail„; und aus der Essayistik gibt’s Jan Wagners „Die Sandale des Propheten“.
Dem Britcomfreund lege man selbstverständlich „I, Partridge: We Need To Talk About Alan“ unter den Baum.

Aus dem Segment Gesellschaftsspiele im laufenden Jahr getestet und für gut befunden: Die „Säulen der Erde“ (obwohl nach einem *$#%!-Buch von Ken Follett), das man gegebenfalls ein bisschen modifizieren sollte (ich sage nur: Baumeister), um den Glücksfaktor herunterzuschrauben (die dazugehörige Erweiterung bietet übrigens ebenfalls ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis). „Tobago“ sollte vor allem „Siedler“-Fans ansprechen, während man mit „Qwirkle“ und „Mondo“ familienhalber nichts falsch machen dürfte; etwas Wagemutigeren empfehle ich übrigens das (schon etwas ältere) „Rache der Grabräuber aus dem All“ (Dank an Jan für den Hinweis).

Film und Serie? Eine überraschend überraschende Produktion aus Deutschland ist „Ijon Tichy: Raumpilot„; und wer dem Ausland Gutes tun will: „Hobo with a Shotgun“ wird es vermutlich niemals in den deutschen Verleih schaffen, genausowenig wie „Rev„, „FM„, „Smoking Room“ oder die Wiederauflage des Post-Python-Klassikers „Ripping Yarns“ (die allerdings erst im Januar erscheint, verzeiht, verzeiht).

Hier noch mal die Zusammenfassung (zumindest der deutschsprachigen Produkte):

Jetzt: BELLA triste 31

Mit der frischerschienenen, etwas hildesheim-lastigen Herbstausgabe öffnet sich BELLA triste, die Zeitschrift für junge Literatur, erstmalig einem für sie neuen Bereich der Gegenwartsliteratur: der Dramatik. Den Einstieg geben zwei junge Autoren mit Ausschnitten aus ihren Stücken sowie ein Interview mit der Dramatikerin Dea Loher. Einen Blick ins Editorial gibt’s hier.

Ich erwähne die BELLA hier aber besonders, weil sie ein ausführliches Politycki-Interview zum Münchner Literaturfest und Freund Meschs megalomanen Essay zum „nächsten guten Buch“ enthält, der sich glücklicherweise auch auf seinem Blog findet.

AusgeMUCt

Schluss, aus, Ende! Mit dem gestrigen Abschluss-Posting und einem letzten Klartext-Resüme geht das Münchner forum:autoren zu Ende (man lese auch Julia Bährs Anmerkungen in der heutigen FAZ).

Wohlgemut bilanzieren Stevan und ich: 31.000 Besucher in 66 Tagen, 300 Postings in toto, davon 55 Schriftsteller-Statements zur Gegenwartsliteratur und Samstagnachmittags-Erklärungen aus berufenen Händen, 40 vorgestellte und/oder interviewte Autoren, 36 Literatoons, 31 Gedichte, 21 Medienspiegel, 20 Nachberichterstattungen, 15 Fundstücke, 12 Folgen von Michael Schönens „Bildwechsel“, 10 Blicke hinter die Kulissen, ebensoviele Einsichten ins literarische Netz und 8 kulinarische Streifzüge durch München; von unseren feinfühligen Humor-Beiträgen gar nicht zu reden.

Wir knicksen und verfügen uns. Wieder an unsere respektiven Schreibtische.

Raoul Schrott, Arthur Jacobs: Gehirn und Gedicht

„Warum können wir uns beim Lesen so in ein Buch vertiefen, dass wir die Welt um uns vergessen? Warum gehen uns Reime ein Leben lang durch den Kopf, und warum schlagen Metaphern manchmal ein wie der Blitz?“, fragt Raoul Schrotts Verlag und legt mit „Gehirn und Gedicht„, das der Lyriker Schrott (der mich neulich in München erneut anfixte) zusammen mit dem Neurologen Arthur Jacobs verfasste, einen wissenschafts-literarischen 500-Seiten-Klotz vor, der die (schon leicht ausgetretenen) Pfade der kognitiven Poetik nun auch für den Otto-Feuilleton-Leser erschließt.

Gut so, finde ich, und Schrotts Kollege Dirk von Petersdorff findet das Nämliche; sicher auch, weil Schrotts formalistisch grundierte Argumente auch poetologisch auf Petersdorffs Linie liegen.
Freilich darf man Petersdorff fragen, ob die „Wiederholung von Lauten, Worten oder Satzstrukturen“ gerade von einem Lyriker wie Thomas Kling par excellence eingelöst wird; und auch die Namen Karl Eibl („animal poeta„) oder Rühmkorf („agar agar“ stand bei Schrotts Unterfangen ohne Zweifel Pate) hätten fallen können; alles in allem kann man Petersdorffs vorsichtiger Zustimmung („Für einen Lyriker ist dieses Buch reizvoll“) nur, tja, zustimmen.
Und auch Nicht-Lyriker sollten sich einen Blick in die Leseprobe gönnen.

fabMUC: Vorletzte Meldung

fabMUC toppte gestern alle bisherigen Besucherzahlen, wir taumeln voran, zwei Tage Literaturfest stehen noch aus. Und das geschieht: Wirag besteigt mit Spinnen und Lewitscharoff das Totenreich der Literatur, hört sich zwei weitere Klartext-Debatten (Nr. 4 folgt noch heute ist hier) und die große Samstagnachmittags-Erklärung zur deutschen Gegenwartsliteratur an; drängt sich im ‚Salon der eingeengten Schriftsteller‚ und streift nachts durch München, lauscht Kathrin Schmidt und Michael Stavaric; macht sich Gedanken zur Gegenwartslyrik, stöbert ein exklusives Bernstein-Gedicht auf und leistet Übersetzungshilfe für Thomas Rosenlöcher, stellt Lesetipps zusammen und verantwortet diverse Zeitungsrundblicke. Wir lesen uns.

fabMUC: 6. Zwischenstandsmeldung

Aus dem Herzen des Münchner Literaturfest habe ich die erste Klartext-Debatte inspiziert, war mit Schülern auf Ostermaier-Suche und motzte über die Eröffnungs-Veranstaltung. Außerdem haben mir erfreulich viele Kollegen zur „Neuen Unlesbarkeit“ Rede und Antwort gestanden (hier, hier und hier).
Und als besonderes Highlight gibt es auf dem Blog mittlerweile viele hochkarätige Schriftstellerstatements (von mir freilich nur internetfit gemacht) zu lesen und nachzulesen.

Kreatives Schreiben aus der Hildesheimer Schule

Im Duden-Verlag liegen seit kurzem drei Bücher zum Kreativen Schreiben (jeweils ca. 150 Seiten) aus der Hildesheimer Schule vor (geschrieben von Stephan Porombka, Christian Schärf und Hann-Josef Ortheil, der die Reihe zum Kreativen Schreiben auch herausgibt), ergänzt durch ein Notizbuch in der gleichen Aufmachung.

Erfreulicherweise stellt der Verlag auf seiner Homepage recht ausführliche (>50 Seiten) Leseproben zu allen drei Bänden („Schreiben unter Strom„, „Schreiben Tag für Tag“ und „Schreiben dicht am Leben„) zur Verfügung.

Besonders der zweite Band (von Christian Schärf) unternimmt eine aufregende literaturgeschichtliche Schreibtour von Kafkas wehleidigen Aufzeichnungen über das ‚anarchische Notizbuch‘ bis zur ‚persönlichen Liste‘. Schöne Weihnachtsgeschenke geben freilich alle vier Bände ab.

Wer übrigens Lust auf Prosa aus Schreibschul-Dozentensicht hat, wird sich vielleicht für John von Düffels neuen Roman „Goethe ruft an“ und Annette Pehnts neues, etwas verstecktes Buch „Hier kommt Michelle“ (zu dem man eigentlich nur die schöne FAZ-Kritik kennen muss) interessieren.

Gernhardtologie

Bei Herrn Larbig fand ich einen kenntnisreichen Beitrag zu Robert Gernhardt Poetik-Texten (deren ich mich vor einiger Zeit auch schon einmal angenommen habe), den ich gerne zur Lektüre weiterempfehle.

Außerdem erschien – und das ist fast schon eine kleine Sensation – vor wenigen Tagen Tobias Eilers‘ Dissertation zu „Robert Gernhardt: Theorie und Lyrik. Erfolgreiche komische Literatur in ihrem gesellschaftlichen und medialen Kontext“ (Abb. o.), zu der der Autor eine eigene Microsite eingerichtet hat, auf der man das gewichtige Werk (576 S.) erfreulicherweise anlesen kann.
Das Inhaltsverzeichnis liefert hingegen zuverlässig die DNB, sodass sich schnell erschließt, dass Eilers Gernhardts Werk mithilfe dessen eigener Poetiktexte einer gründlichen Analyse unterzieht – ein vielversprechendes Unterfangen.
Ob das Werk allerdings die gewagten Versprechen wird einlösen können, die „Komiktheorien von der Antike bis in die Gegenwart“ zusammenzufassen und im gleichen Atemzug „die Poetik-Geschichte von den Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart, d. h. von Platon und Aristoteles bis Rühmkorf“ einzuholen, wie es im Vorwort heißt, muss die Lektüre noch unter Beweis stellen.