Neues Spiel

turdalert

Neues Spiel (von mir), neues Glück (für diejenigen, die es zu Weihnachten bekommen)!

Worum’s geht?

🐕 (links) und 🙋‍♂️ (rechts) wollen mit einer möglichst langen Leine verbunden sein, dabei sollen aber möglichst wenig offene Enden entstehen oder unbeteiligte 🌼 niedergewalzt werden. Was nicht so einfach ist, weil die bösen 🎲 natürlich nie die richtigen Anschlussstücke zeigen. 💩 gibt es natürlich auch, die allerdings (noch) keine richtigen Nachteile bringen.

Arbeitstitel ist im Moment „Turd Alert“.

Was Herr Hörisch so schreibt

Neulich las ich Jochen Hörischs Theorie-Apotheke (die 2004 zum ersten Mal erschien) noch einmal quer. Schon Johan Schloemann stellte damals in der SZ fest, dass Hörisch in seiner Apotheke mitunter „lästige[] Sprachakrobatik“ betreibe.

Hörischs Vorliebe für ähnlich anlautende Wörter oder Begriffe mit dem gleichen Wortstamm, die er gerne in nächster Nähe positioniert (als stelle sich dadurch schon ein Sinn ein), hat mich beim Wiederlesen nicht einmal so sehr gestört; zumal der Autor immer wieder hübsche Funde macht (so ist einmal im Bezug auf Theorien von „Mega- und Metametaphern“ die Rede).

Was in der Theorie-Apotheke aber wirklich lästig fällt, ist eine Art von sprachlicher (und das meint immer: gedanklicher) Schlampigkeit, die ich – weil mir gerade nix Besseres einfällt – als „professoral“ bezeichnen will. Erkennbar hat Hörisch seine (durchaus beachtlichen) Lese- und Bildungsfrüchte in die verschiedenen Kapitel gekippt, ohne sich zu viele Gedanken darüber zu machen, ob ein Zweitleser mit den dicken Namen und Termini, die nicht weiter erläutert werden, viel anfangen kann. Gerade für einen Anfänger sind einige Kapitel des Buchs damit ungenießbar; zumal Hörisch die lästige Angewohnheit hat, seine Assoziationen immer an denjenigen Stellen im Text zu platzieren, an denen sie ihm beim Schreiben eingefallen sein müssen. Und nicht etwa dort, wo sie der Logik des Aufbaus nach hingehören.

Das grundlegende Problem bei dieser Art von gelehrter Prosa scheint mir zu sein, dass Akademiker ab einem gewissen Status (oder ab einer gewissen Zeitnot) dazu übergehen, ihre Texte nicht so gründlich zu überarbeiten, wie es die Leserin verdiente. Ob dieser Fehler im System oder in der jeweiligen Person zu suchen ist, mag ich nicht beurteilen; Fakt ist nur, dass ich ihn in der akademisch geprägten Publikationslandschaft immer wieder beobachten muss.

Doch noch mal zur Theorie-Apotheke: Beim Wiederlesen machte mir besonders das Kapitel zu den Bildwissenschaften Freude: Es enthält einen recht langen (nicht ganz fehlerfreien) Satz mit zahlreichen Beispielfragen, der unten wiedergegeben ist (in der Taschenbuchausgabe findet er sich auf S. 165).

Wer so viele Fragen stellt, hat Antworten verdient. Die bekommt Hörisch an dieser Stelle sehr gerne und gratis von mir.

Und zwar nach einem Verfahren, das wir Karl Kraus und Hermann L. Gremliza verdanken: Hörischs Zitat steht in normaler Schriftart, während ich in Courier New dazwischenplappere. Bitte schön.


Hörisch: Einen iconic turn vollzieht, wer die Naivität hinter sich läßt, einfach nur zu sehen, um statt dessen analytische Fragen wie diese zu stellen: Wie ist dieses Bild gerahmt,

Eckig, wieso? Wollen Sie’s kaufen? Acht Mark okay?

in welcher Perspektive wird der Parteitagsredner gefilmt,

Aus dem Knopfloch heraus. Wir nennen es bürgernah.

sind Brot und Wein auf diesem Stilleben Anspielungen auf die Eucharistie,

Ja. Oder Anspielungen auf Brot und Wein.

warum lächelt dieser Totenkopf,

Wer kein Gehirn hat, hat gut lachen.

was allegorisieren Kirche und Schloß im berühmten Titelkupfer von Hobbes‘ Leviathan,

Kirche = Kirche. Schloss = Staat. Das hätten sie aber auch selber hingekriegt, oder? Zusammenhangslos fällt mir – nach der Methode Hörisch – gerade ein, dass Robert Gernhardt mal geschrieben hat: „Bilder Sie mal einen Satz mit allegorisch. // Nichts wird sich ändern hier auf Erden, / bevor nicht alle gorisch werden.“ Gar nicht mal so gut, oder?

an welche Bildtradition knüpft das Stalin-Portrait an,

An die des Portraits.

warum gilt das Urinoir von Duchamps als Kunstwerk,

Der Mann hieß Duchamp (ohne s). Hinterlassen hat er uns – zumindest auf Deutsch – wahlweise ein Urinal oder Pissoir, kein Urinoir. Warum es als Kunstwerk gilt, hat nichts mit dem iconic turn zu tun, um den es in diesem Satz angeblich geht.

warum ist auf dem schwarzen Quadrat von Malewitsch tatsächlich nichts zu sehen außer tiefschwarzer Farbe,

Wer das Bild tatsächlich kennst oder sich bei Google tatsächlich noch mal anschaut, weiß, dass um das schwarze Quadrat tatsächlich ein tatsächlich ziemlich breiter weißer Rand verläuft. Tatsächlich. Auch dazu gibt es übrigens was von Gernhardt: „Malewitsch führt vor, was dann ensteht, / wenn einer, der ankommt, noch weitergeht. / Ach Malewitsch.“ (Aus: Nachdem er die Kölner Malewitsch-Ausstellung gesehen hatte)

welche Signale gehen vom Design der neuen Luxuslimousine aus,

Wenn rhythmische Lichtsignale vom Design ausgehen, heißt das, dass der Fahrer abbiegen will.

was soll die nackte Frau und die schlangenförmige Gestaltung des Glases auf der Bierreklame,

Eine Gestaltung kann nicht schlangenförmig sein, höchstens das Glas selbst. Außerdem muss das Verb „soll“ hier (nach Adam Duden) im Plural stehen. Die Antwort auf Ihre Frage lautet übrigens: Bier verkaufen.

wie wirken dieselben Bilder von den zusammenbrechenden Twin Towers auf Zwanzigjährige in New York, Paris, Neu-Delhi, Kabul und Bagdad?

Ich hab alle Zwanzigjährigen gefragt. Sie sagen einstimmig: Krasser Scheiß, voll uncool. Krieg ich jetzt meinen Schein?

Nachdem er Neues von Herrn Gernhardt gelesen hatte

Letztes Jahr (2017) erschien der postume Band „Der kleine Gernhardt“: Darin sind transkribierte Auszüge aus Robert Gernhardts Notizbüchern (die er von 1970 bis 2006 führte) enthalten.

An der Publikation kann man nicht nur lernen, wie eine fragwürdige Edition aussieht (Kommafehler wurden z.B. beibehalten, während Kürzungen, die die Herausgeber vornahmen, nicht vermerkt wurden), sondern erhält einen aufschlussreichen Eindruck davon, wie Gernhardt sich selbst wahrnahm.

Aber lassen wir ihn selbst sprechen. Zitate marsch!

Der sympathische Herr Gernhardt

„Ich trat auf, war, da ich mich kurz gesammelt hatte, ziemlich präsent, sah, daß das Auditorium zu kriegen war; und siegte: Soviel Freude und Zuspruch hatte kein Vorgänger, hat kein Nachfolger erregt.“ (S. 27)

„Als im Haus des Ex-Universitätspräsidenten Werner Meißner das Gespräch auf meine Anstrengungen kommt, den Freiburger Ehrendoktor in meinen Pass eintragen zu lassen […]“ (S. 45)

„Ich halte dagegen, dass mich diese Ablehnung nicht kränke: Ich hätte doch alle Preise meines Spektrums abgesahnt, Kästner, Brecht, Ringelnatz, Heine: Da dürfte der Hölderlin-Preis ruhig an die Seriösen gehen“ (S. 49)

„Michael Krüger auf meine Mitteilung: Hab Ehrendoktor –:
Hätt‘ ich auch gerne.
Dann halte ich entgegen, daß ich noch zum Mitglied einer Akademie gekürt worden sei. Krüger zieht einen Zettel aus der Tasche und notiert etwas: Das kriegen wir schon hin.
Das ist ein Jahr her. Nichts ist erfolgt.
Aber Rühmkorf hat den Büchner-Preis bekommen.“ (S. 73)

„Nur soviel, daß ich diese Halsstarrigkeiten, dieses ‚Ich weiß, was ich kann und ihr anderen könnt mich mal‘ nicht nur bei bei Kollegen beobachte, sondern auch bei mir. Mit dem Unterschied, daß ich vermute, daß die Kollegen – einige zumindest – in dieser Meinung im Unrecht sind und ich im Recht bin.“ (S. 98)

G. fragt mit Bezug auf sich selbst: „Wo verläuft die Grenze zwischen Klassiker und Klassikeranwärter?“ (S. 102)

„Aber mit mir könnse es ja machen, die Kollegen: Dem einen schreib ich ein Nachwort (Pfarr), dem anderen eine Kritik (Poth), dem dritten, vierten ein Vorwort (Sowa/Goldt), dem fünften eine Ausstellungseröffnung (Waechter), doch wer mir was? Niemand, denn: ‚Keine Sau will mehr rühmen, jedes noch so dumme Schwein will berühmt werden.'“ (S. 104) [Anm.: Gernhardt zitiert sich mit dem letzten Satz selbst.]

„Plötzlicher Verdacht: Joachim Kaiser weiß immer noch nicht, wer ich bin.“ (S. 151)

Nachdem er Neues von Herrn Dobelli gelesen hatte

Alle Zitate auf dem Superseller „Die Kunst des guten Lebens“ von Rolf Dobelli (Piper 2017).

Der sympathische Herr Dobelli

„Vor vielen Jahren bot mir ein steinreicher Unternehmer eine Million Euro, um eine Biografie über ihn zu schreiben.“

„Es liegt nicht an meiner fehlenden Menschenliebe, wenn mich 90 Prozent der Leute bei einem Galadinner langweilen.“

„Zwei- bis dreimal im Jahr treffe ich den CEO eines Weltkonzerns zu den obligaten Wirtschaftsdinners.“

„Zehn Jahre lang lebte ich in Miami Beach.“

„Ein Freund von mir besitzt eine Jacht“

„Meine private Bibliothek besteht aus 3000 Büchern – ungefähr zu je einem Drittel gelesen, angelesen oder ungelesen.“

„Ein Freund, ein intelligenter Mann mit MBA“

„Neulich berichtete ein Freund voller Stolz, dass er zu einem Dinner mit Multimilliardär Soundso eingeladen sei. Ich zuckte mit den Schultern.“

„Ich habe die Arbeit von Müttern nie ernst genommen“

„Ich durchquere das Labyrinth des Flughafens durchschnittlich einmal pro Monat – und das seit nun 30 Jahren.“

Der scharfsinnige Herr Dobelli

„Hinzu kommt die Tatsache, dass nur Überlebende Kriegsgefangenen-Literatur schreiben können. Tote schreiben keine Bücher.“

Der menschliche Herr Dobelli

„Es gibt keinen Grund, sich schuldig zu fühlen, wenn es Ihnen zufälligerweise besser geht als einem Bombenopfer in Aleppo – es könnte genauso gut umgekehrt sein.“

Das Fazit

„Nach 30 ist das Leben ohnehin zu kurz für schlechte Bücher.“

Dialoge, knusprig wie ein kleines Schnitzel (Teil XI)

„Was ist passiert?“, fragte der Schaulustige.
„Tomaten“, antwortete der Geheimrat. „Oder meinten Sie: pasteurisiert?“
„Das nicht“, verbesserte sich der Schaulustige, „ich wollte vielmehr fragen: Was ist pastorisiert?“
„Oblaten?“, vermutete der Geheimrat.
„Türlich! Verbindlichen Dank.“
„For shizzle“, der Rat deutete eine Verbeugung an, „my nizzle.“

Rezente Rezensionen

Bei Literaturkritik.de erschien eine Sammelrezension unter dem Titel „Dreimal Comic-Forschung Made in Germany„, in der auch mein Buch zum Comiczeichnen besprochen wird. Und zwar mit den Worten:

Der Autor kennt sich auf diesem Gebiet sehr gut aus und wendet die Theorien entsprechend kenntnisreich an, so dass kein undurchdringlicher Theoriedschungel entsteht, sondern sich die Theorien effektiv miteinander verbinden und so den Blick auf dieses Forschungsgebiet weiten. Der dritte und letzte Teil wendet die im zweiten Teil entworfene Theorie auf konkrete Beispiele an: Hergé, Chris Ware und Art Spiegelmann werden unter anderem untersucht. Lobend ist noch zu erwähnen, dass Wirag recht unterhaltsam schreibt – nie wirkt seine Untersuchung trocken oder langweilig. Auch der Laie wird hier seine Freude haben und recht kenntnisreich informiert.

Tu einer was dagegen.

Nachtrag: Ebenfalls erwähnt wird die Arbeit bei den guten Menschen von Comicgate und beim Comicsforum.

Diss & das

Ihr Lieben: Die Buchform meiner Diss unter dem Titel „Comiczeichnen. Figurationen einer ästhetischen Praxis“ kann jetzt beim wertigen Bachmann-Verlag bestellt werden. Und findet sich sicher auch bald in einer Unibib in eurer Nähe.

 

 

 

Hier das Inhaltsverzeichnis und hier der Blurb:

Comiczeichnen ist eine kreative Praxis, in der hochspezialisierte körperlich-zeichnerische und intellektuell-kreative Fähigkeiten und Techniken zusammenspielen. Die Comicgeschichte hat immer wieder einzigartige Zeugnisse dieser Kulturtechnik hinterlassen: Skizzen, Studien, Skripte, getuschte Originalseiten und natürlich digitale Daten. Wie aber sind diese Spuren der ästhetischen Produktion zu lesen? Und wie können kreative Praxisprozesse überhaupt beschrieben werden? Damit beschäftigt sich die Comicentwurfsforschung, deren Aufgaben und Herausforderungen im vorliegenden Band erstmals skizziert werden.
Darüber hinaus untersucht das Buch verschiedene Figurationen des Comiczeichnens, an denen sichtbar wird, welche metaphorischen, narrativen oder diagrammatischen Verfahren aufgesucht werden, um komplexe Praktiken wie das Comiczeichnen zu kommunizieren. Dabei werden Kreativitäts-, Handlungs- und Erkenntnistheorie zu einem neuartigen Blick auf Produktionsästhetik verbunden.
In Exkursen untersucht der Band außerdem die Ästhetik des Comicentwurfs aus einer phänomenologisch inspirierten Perspektive und erläutert die sozioökonomische Situation zeitgenössischer Comicproduzenten. Die zahlreichen Abbildungen gestatten dabei einen Blick in die Werkstätten von namhaften Comiczeichnern wie Hergé, Chris Ware, Art Spiegelman oder Flix.

Broschur, 276 Seiten mit teils farbigen Abbildungen
ISBN 978-3-941030-67-1, € 36,00

Was die Post bringt

http://ecx.images-amazon.com/images/I/610vL0eYDTL._SX396_BO1,204,203,200_.jpgNämlich die zweite (und deutlich erweiterte) Auflage des Avengers-Lexikons (entsprechend mit neuer ISBN), das Stefan Mesch und ich übersetzten (wobei die Erweiterungen sämtlich aus Stefans Tastatur stammen).

Der Verlag schreibt dazu: Der ultimative Überblick über die berühmten Helden und Schurken des Avengers-Universums: Dieses unverzichtbare Lexikon versammelt alle Superhelden von Iron Man über Thor und Hulk bis hin zu ihren Erzfeinden wie Doctor Doom und Red Skull. Auf jeweils einer Seite werden in dieser ergänzten und aktualisierten Neuausgabe über 225 Charaktere mit einer Kurzbiografie und vielen Detailerklärungen vorgestellt. Eine Datenbank gibt Auskunft über wichtige Fakten wie Superkräfte, Größe, Gewicht, Verbündete, Feinde und vieles mehr. Mehr als 800 farbige Abbildungen rücken die Superhelden spektakulär in Szene. Comic-Fans werden begeistert sein!

Neuerscheinung

image.phpGerade erschienen:
Sandro Zanetti (Hg.): Improvisation und Invention. Momente, Modelle, Medien.
568 Seiten, Gebunden
ISBN 978-3-03734-743-0
€ 34,95 / CHF 49,90

Wenn eine Kultur etwas als Erfindung akzeptiert, dann hat dieses Etwas bereits den Status einer Tatsache erhalten, die vorhanden ist und auf ihren Nutzen oder auf ihre Funktion hin befragt werden kann. Was aber geschieht davor? Wie gewinnt das Erfundene Wirklichkeit? Wie in der Kunst, wie im Theater, wie in der Literatur und Musik, wie in der Wissenschaft? Und mit welchen Folgen? Die Beiträge in diesem Band beschäftigen sich alle mit einem Moment oder einem bestimmten Modell der Invention. Ausgehend von den jeweils involvierten Medien wird der Versuch unternommen, diese Momente und Modelle zu rekonstruieren. Um etwas über die entsprechenden Inventionen in Erfahrung bringen zu können, werden diese als Ergebnisse oder Effekte von Improvisationsprozessen begriffen: Improvisationen in dem Sinne, dass von einem grundsätzlich offenen Zukunftsspielraum ausgegangen wird, gleichzeitig aber auch davon, dass es ein Umgebungs- und Verfahrenswissen gibt, das im Einzelfall beschrieben werden kann.

Darin auch ein Beitrag von Hrn. Lino Wirag: 1935. Grampy geht ein Licht auf. Die Glühbirne in Comic und Cartoon.

Das liest man aber so mittelgern:

Da hat mich ein Amazon-Leserrezensent ganz schön abgewatscht (an einigen Stellen auch ad hominem); teilweise nicht zu Unrecht. Dass Amazon beispielsweise die Personen, von denen es Bioblurb hat (u.a. von mir) so über Gebühr plakatiert, ist albern, indezent und rückt (in diesem Fall) auch unsere Ewers-Ausgabe in ein falsches Licht.
Einige Sätze des Rezensenten möchte ich allerdings gerne kommentieren:

Kurz zum Inhalt: Ewers schreibt an und für sich (normalerweise) genial, komisch und immer tiefsinniger, als es erst scheint – allerdings, der Stil ist hier irgendwie merkwürdig flach und nicht der, den ich von ihm kenne; und was muss ich lesen,unter Anmerkungen des Herausgebers?!

Ob Ewers so viel literarischer Ruhm gebührt wie behauptet, will ich hier nicht kommentieren (obwohl ich seine Erzählungen gründlich gelesen habe, und einiges Sekundäres noch dazu). Was ich allerdings sicher sagen kann: Andreas und ich haben, als wir die Texte scannten, korrekturlasen und edierten, stilistisch nur sehr wenige Eingriffe gemacht. Und wenn, dann i.d.R. zum Besseren der Texte, so viel halte ich mir auf meine literarische (und auch sonstige) Ausbildung dann doch zum Guten.
Die „merkwürdige Flachheit“, die dem Rezensenten hier auffällt – sie ist, leider, Ewers selbst geschuldet (ein Blick in die Originale bringt es an den Tag).

Das ist wohl der Gipfel der Dreistigkeit, frech und anmaßend alte Texte zu verwässern und tauglich für den subjektiv in der Vorstellung der Herausgeber existierenden „heutigen Leser“ zu machen.

Das ist verständlich. Und doch: Wir haben vor allem an Leser gedacht, denen sich eine Pointe wie „Der Mensch hatte … Sparröllchen an!“ nicht mehr erschließt. Also vermutlich an die Mehrheit der lebenden Leserschaft (die Herausgeber übrigens eingeschlossen).

Und: mir erschienen, auch als ich dies noch nicht gelesen hatte, die Geschichten Ähnlichkeit mit schlechten Poe-Übersetzungen zu haben. Ohne die tatsächliche Raffinesse, ohne den typischen Duktus; doch nahm ich erst an, es wäre dies der normalen Veränderung des Stils geschuldet, die bei jedem Autor im Laufe seines Lebens zu finden wäre.

Diesen Satz verstehe ich nicht, da ich nicht weiß, was „die normalen Veränderungen des Stils“ sein sollen, die jeder Autor erfährt (zumal nicht jeder Schriftsteller seinen Stil im Laufe seines Lebens erkennbar ändert). Außerdem hatten wir Ewers‘ Texte aus verschiedenen Publikationen zusammengestellt, sodass sich darin verschiedene (Alters-)Stile finden lassen müssten.
Dass sich Ewers‘ Texte wie Poe lesen, hat damit zu tun, dass Ewers versuchte, wie Poe zu schreiben.

Das Cover erinnert mich an Gruselheftchen, die man am Kiosk kaufen kann, John Sinclair lässt grüßen.

Das Cover-Gemälde der Ausgabe stammt von Antoine Joseph Wiertz, einem – nicht unendlich bekannten, aber keineswegs zweitrangigen – belgischen Maler des 19. Jahrhunderts.

Die Schriftart, besonders die Überschriften scheinen dem Horizont eines Laiendichters, der schnulzige Liebesgedichtchen im Eigenverlag veröffentlicht, entsprungen zu sein, so auch die gewählten Frauenillustrationen und anderen Details, die zwar einen Eindruck von der Wende von 19. auf 20. Jh. vermitteln, allerdings: extrem an den Zeitgeist angepasst.

Hm. Die verwendet Type ist eine Garamond, eine extrem verbreitete und vollkommen unverdächtige Seriftype. Die Überschriften sind in Art Gothic gesetzt, einer jugendstiligen Freefont. Die ist sicher Geschmackssache, aber in Abstimmung mit den Illus gewählt: Diese „zeitgeistigen“ (Frauen-)Illustrationen stammen von Mucha, Morris und Klimt. Und vermitteln deshalb einen Eindruck von der Wende von 19. auf 20. Jh., weil sie damals entstanden. Ob sie das Beste sind, was man den Texten hätte beigeben können?
Vermutlich nicht, ich halte es allerdings für vertretbar, einen Jahrhundertwende-Autor mit Jahrhundertwende-Zeichnungen zu illustrieren.

Ewers jedoch war Phantast/Visionär, wenn auch durchaus erfolgreich, so macht das auf mich den Eindruck, als würde jemand in 100 Jahren Werke Foucaults in Bravo(die Zeitschrift für Jugendliche)-Optik veröffentlichen, weil es sie ja auch mal zeitgleich gegeben hat.

Focault und Bravo in einem Vergleich – Chapeau! Würde ich übrigens gerne sehen, den Band. „Sexualität und Wahrheit“ zumindest.

So werde ich mich nach der originalen Version der Geschichten umsehen und eindeutig lieber noch einmal die kaufen.
Wer Ewers lesen will, besorge sich Alraune oder eben die Geschichten „in Originalfassung“ (wie traurig, dass ich nicht davon ausgehen kann, sie beim Kauf zu bekommen; und damit meine ich nicht die Anpassung an die aktuelle Rechtschreibung).

Im Wesentlichen haben wir die Texte in die neue Rechtschreibung übertragen, an einigen Stellen leicht gekürzt und einige Kaiserreichs-Begriffe (die erwähnten „Sparröllchen“ beispielsweise) durch Synonyme ersetzt.
Die Geschichten in Originalfassung sind übrigens gar nicht so leicht zu bekommen (habe selbst eine Ausgabe aus den 20ern angekauft, weil die Texte anders nicht gut habhaft und scannbar waren).
Ich hätte mich also (man hört es wohl heraus) gefreut, wenn der Rezensent sich nach den originalen Geschichten „umgesehen“ hätte (oder es zumindest versucht), bevor er sich unsere, gar nicht so ewers-ferne, Ausgabe zur Brust nahm.
Dann hätte er, vermutlich zu seinem Schrecken, festgestellt, dass die Schwächen unserer Ausgabe zu einem Gutteil auf die Schwächen des Autors Ewers zurückgehen.

Frisch erschienen

Gerne darf das neue Postillon-Buch (unten) gekauft werden, in dem sich, wie ich höre, auch ein Text von L.W. befindet. Außerdem flatterte gestern die neue KulturPoetik ins Haus, die einen längeren (wissenschaftlichen) Essay zu Poetry Slam enthält. A1+t57os95L

Mal wieder Zweiter

Hatte vor zwei Jahren den Prototyp eines Kartenspiels gebaut, in dem man einen Dungeon Boss spielt und seine Höhle in guter Sidescroll-Manier durch Fallen und Monster erweitert, die jeweils bestimmte Eigenschaften/Punktwerte aufweisen. Bis irgendwann Helden kommen und versuchen, den Kartendungeon zu plündern (meines sind die unteren, gelblichen Karten).

Jetzt auf der SPIEL in Essen ein wunderschönes Kartenspiel entdeckt, in dem man einen Dungeon Boss spielt und seine Höhle in guter Sidescroll-Manier durch Fallen und Monster erweitert, die jeweils bestimmte Eigenschaften/Punktwerte. Bis irgendwann Helden kommen und versuchen, den Kartendungeon zu plündern (die schönen oberen Karten; mehr Infos).

Fuckety-ho.

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Kurze Denkpause

Ihr Lieben, habe zum Sommer eine Festanstellung angenommen und nebenher auch noch ein wenig unterrichtet; deshalb ist hier nicht besonders viel geschehen. Sollte das auch die nächsten Wochen so sein, bitte ich um Entschuldigung.